Aufgaben und Ziele des Naturparks Dübener Heide

Naturparkidee

Die Dübener Heide erhielt den Status Naturpark  1992/1993 von den zwei Bundesländern Sachsen und Sachsen-Anhalt . Träger des Naturparks ist der 400 Mitglieder starke Verein Dübener Heide e.V.
Bundesweit gibt es 104 Naturparke. Sie gelten als großräumige Landschaften, die überwiegend aus Landschafts- und Naturschutzgebieten bestehen. Sie nehmen ca. 25% der Fläche der Bundesrepublik Deutschland ein und bewahren und entwickeln Natur und Landschaft mit und für Menschen. Naturparke eignen sich besonders für Erholung und Naturerleben.
Naturparke sind eine Schutzgebietskategorie nach dem Bundesnaturschutzgesetz, sie verbinden den Schutz und die Nutzung von Natur und Landschaft. Die Balance zwischen intakter Natur, wirtschaftlichem Wohlergehen und guter Lebensqualität wird durch Naturparke angestrebt. Sie sind damit Vorbildlandschaften für die Entwicklung ländlicher Regionen insgesamt und bieten die Chance, auf einem Viertel der Fläche Deutschlands nachhaltige Entwicklung voranzutreiben.
Naturparke besitzen auch auf europäischer Ebene eine zukunftsweisende Rolle für den Schutz der Natur, die landschaftsbezogene Erholung und die integrierte nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raums.

Pflege- und Entwicklungskonzept

Für die Dübener Heide wurde 2004/2005 eine Pflege- und Entwicklungskonzept erarbeitet. „Es stellt das Betreiberkonzept für die Naturparkregion Dübener Heide dar und beinhaltet auch die regionsspezifischen Ziele und Grundsätze des Landschaftsprogramms und der Landschaftsrahmenpläne. Ein mit dem Regionalen Entwicklungskonzept abgeglichenes Gesamtleitbild, das durch Entwicklungsziele für alle Sektoren untersetzt ist, lautet:
Erhalt, Pflege und Entwicklung der großräumigen Kulturlandschaft der Dübener Heide mit dem Ziel,

  • die großräumige Unzerschnittenheit, die Ruhe und Naturnähe der Wälder und Moorflächen zu bewahren und zu stärken, die Bäche, Stillgewässer und ihre Grenzsäume als Lebensräume mit einer hohen Strukturvielfalt zu erhalten und ihre vernetzende Funktion zu verbessern,
  • durch eine nachhaltige Bewirtschaftung und neue Vermarktungsformen in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft die natürlichen Ressourcen so zu nutzen, dass Eigenart, Schönheit und Vielfalt der Kulturlandschaft erhalten bleiben und in bewirtschaftungsfähiger Weise entwickelt werden,
  • durch die Unterstützung der touristischen Entwicklung – vor allem der Naherholung – in räumlichen Erholungsschwerpunkten die Einkommensmöglichkeiten für die Bewohner der Dübener Heide zu sichern bzw. zu entfalten sowie die Erlebbarkeit von Eigenart und Schönheit ihrer Landschaft für Bewohner und Besucher zu verbessern,
  • durch eine enge kooperative Verzahnung der Kommunen, Interessensverbände und Unternehmen über Länder- und Kreisgrenzen hinweg den Naturpark als Wirtschaftsraum bzw. seine Produkte zu stärken und weiterzuentwickeln.
  • durch Umweltbildung, Informations- und Öffentlichkeitsarbeit die Bevölkerung und die Gäste für die Belange eines nachhaltigen Miteinander von Natur und Nutzung zu gewinnen,
  • durch die Darstellung des Spannungsfeldes zwischen den Aktivitäten von Mensch und Biber die enge Verzahnung von Mensch und Natur sowie Lösungsmöglichkeiten für Konflikte so aufzuzeigen, dass das Leitbild der Vorbildlandschaft konkret erlebbar wird,
  • über gemeinsame Anstrengungen bei der Entwicklung des Naturparks den Ausgleich zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Interessengruppen im Sinne der Akzeptanz von Naturschutz, Förderung der regionalen Identität und des Verständnisses für eine nachhaltige Gesamtentwicklung des ländlichen Raumes zu stärken, 
  • durch eine enge kooperative Verzahnung der Kommunen, Interessensverbände und Unternehmen über Länder- und Kreisgrenzen hinweg den Naturpark als Wirtschaftsraum bzw. seine Produkte zu stärken und weiterzuentwickeln.

Diese Ziele sollen in fünf Handlungsfeldern umgesetzt werden, die da lauten:

  • Wirtschaftskraft im ländlichen Raum stärkenLeistungsstarke Land- und Forstwirtschaft erhalte
  •  kommunale Daseinsvorsorge und demografischer Wandel
  • Tourismusangebote verbessern und vernetzen
  • zukunftsweisenden Natur- und Umweltschutz gewährleisten

Von den dort festgelegten Leitprojekten betrifft dieses Konzept vor allem Tourismusangebote Naturparke und Bergbaufolgelandschaft, vernetzte Entwicklung der Naturparke und des Biosphärenreservates sowie   Entwicklung und Umsetzung eines Pilotprojektes zur Bündelung der Wirtschaftskraft der Forstbetriebsgemeinschaften. Unter dem Aspekt Beschäftigungs- und Wertschöpfungsförderung spielen Entwicklungsziele wie Schaffung neuer Wertschöpfungsketten durch Biomassenutzung, Nutzung und Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe sowie Erzeugung von Biotreibstoffen, Multifunktionaler Charakter von Land- und Forstwirtschaft, Wirtschaftsentwicklung in ländlichen Räumen fördern, Hilfe zur Selbsthilfe ausbauen, Ehrenamt fördern sowie diese touristischen Entwicklungsziele mit besonderer Rolle:

  • Tourismusangebot an veränderte Altersstruktur anpassen
  • Luther und weitere Persönlichkeiten im Kontext der Reformation, Großschutzgebiete und Bergbaufolgelandschaft/Industriekultur sind die touristischen Schwerpunkte
  • den Landkreis in den touristischen Markensäulen und Schwerpunktthemen des Landes angemessen platzieren
  • Tourismuspotenzial von Natur und Landschaft durch Ausbau und Vernetzung der Naturparkangebote noch besser erschließen
  • Ländliches Wegenetz mit touristischen Nutzungszielen verknüpfen
  • Wirtschaftliche Effekte des Tourismus stärker nutzen

Entstehung und Entwicklung
der Dübener Heide zum Naturpark

Die Dübener Heide entstand vor 250.000 Jahren in der Saaleeiszeit und wurde erstmals von Hermunduren im 6. Jahrhundert besiedelt. Ab dem 7. Jahrhundert ließen sich Slawen in der Region nieder, die allerdings im 12. Jahrhundert abzogen. An ihre Stelle kamen Flamen und Friesen, die von Albrecht, dem Bär, gerufen worden waren. Wechselvoll setzte sich die Geschichte fort, nach den Askaniern kamen die Wettiner und die Region gehörte zu Kursachsen.

Ab 1814 wurde sie Preußische Provinz Sachsen. Diese wurde 1944 aufgelöst. Die ursprüngliche Vegetation mit Traubeneichen und Hainbuchen oder Birken und Kiefern wich einem fast reinen Kiefernbestand. In den vorhandenen Feuchtgebieten wie der Presseler Heide oder dem Wildenhainer Bruch wachsen heute Erlen und Eschen. Die Dübener Heide war und ist landschaftlich, ländlich geprägt. Vereinzelt gibt es Heidekrautflächen – weitaus weniger ausgeprägt wie beispielsweise in der Lüneburger Heide. In früheren Jahrhunderten spielte das Heide-Handwerk eine zentrale Rolle (Töpfer, Schmied, Müller, Besenbinder etc.). Noch heute gibt es eine in Betrieb befindliche Köhlerei, die Holzkohle herstellt. Viele Menschen lebten als Bauern von der Viehhaltung (Schafe, Ziegen, Schweine und Gänse) oder als Waldbauern von der Waldarbeit. Erst vor etwas mehr 100 Jahren begann die Entdeckung der Dübener Heide als Erholungsraum. Zu DDR-Zeiten galt sie als Rückzugsgebiet für Menschen aus den Großstädten Leipzig, Halle und Dessau, die Wochenend-Häuser und sogenannte Datschen in der Dübener Heide besaßen und zum Teil noch besitzen. So gibt es zahlreiche „Kolonien“.

Die jüngere Entwicklungsgeschichte ist eng verbunden mit der politischen Wende und der Wiedergründung des Vereins Dübener Heide e.V. (Erstgründung im Jahr 1930 als Wander-, Heimatverein mit Tourismusansatz – „Ausflügler in die Heide locken“), dem Trägerverein des Naturparks. Die noch zum Ende der DDR hin „geplante Ausweitung des Braunkohleabbaus auf die Dübener Heide hätte langfristig einen immensen Verlust von Flächen und ganzen Dörfern bedeutet“. Um wenigstens ein Stück der Landschaften in der Region zu sichern, hatten sich zunächst „grüne Tische“ gegründet, aus denen sich 1990 der Verein konstituierte. Der Standort Dübener Heide wurde schließlich 1992/1993 zum Naturpark mit länderübergreifendem Ansatz ernannt (2000 – Naturparkverordnung Sachsen; 2003 – Naturparkverordnung Sachsen-Anhalt).
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